Freitag21. Oktober 2011

jQuery hat zweifelsfrei für viele Anwender und vor einigen Jahren auch für mich den Weg zum Verständnis von DOM Scripting und JavaScript geebnet. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass mehr und mehr Lehrmaterial für jQuery auf den Markt kommt, welches sich gezielt an Einsteiger richtet und mit schnellen Ergebnissen begeistern will.

Das neueste Projekt in dieser Hinsicht ist ein sechsstündiger jQuery Video-Workshop von Gerrit van Aaken, der seit ein paar Tagen bei Undsoversity zum Kauf bereit steht und sich ausdrücklich an Einsteiger richtet. Um sich vor dem Kauf einen Eindruck vom Gebotenen verschaffen zu können, stehen insgesamt drei Kapitel (Events und EventListener, Inline-Bildergalerie und ein interaktiver HTML5-Videoplayer) mit einer Gesamtlänge von fast 2 Stunden (fast 1/3 der Gesamtlänge) kostenfrei auf YouTube bereit.

Aufgebaut sind die einzelnen Themenblöcke als Live-Coding Sessions in denen zu Beginn eine Aufgabe vorgestellt wird, die im Anschluss als “Blick über die Schulter” des Tutors mit HTML, CSS und eben jQuery (Anm: JavaScript sage ich hier bewusst nicht, denn JavaScript scheint kaum thematisiert zu werden) gelöst werden. Die Art und Weise der Präsentation finde ich von Konzept her gelungen und besonders interessant für Autodidakten (wie mich), die lieber durch Probieren als durch dumpfes Lesen neue Dinge lernen. Der Zuschauer kann die schrittweise Entwicklung des Programmcodes anhand konkreter Aufgabenstellungen miterleben und so dessen Logik sehr viel einfacher nachvollziehen, als beispielsweise aus einem spärlich kommentiertem, 2-seitigen Abdruck eines fertigen Quelltextes in einem Buch.

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Mittwoch05. Oktober 2011

Man sollte eigentlich meinen, dass man heute mit dem tausendsten Abklatsch des einfachen CSS-Grid Konzepts nicht viel mehr als seine Freunde beeindrucken kann. Zumindest sollte man das vermuten, wenn man, wie bei Toast, auch noch lesen muss: “... and it also sets some nice default styles for inline elements, such as links, emphasis, strong, small print, marks, abbr, and lists!” Schon traurig, wenn Derartiges als “Feature” herausgestellt und dann auch noch in der Fachpresse beklatscht wird. Selbst zu den Anfangszeiten hatten die meisten Projekte dieser Art höhere Ziele.

Es ist nicht so, dass es beim Blick auf den Quelltext von Toast nichts zu sagen gäbe. Da wäre zum einen, dass Toast eben nicht, wie fälschlich bei T3N geschrieben, mit einem Standard-Reset daherkommt. Stattdessen setzt man nämlich, und das ist zumindest lobenswert, auf Normalisierung, statt auf Eric Meyers CSS-Dampfwalze, die oft genug in der Kritik stand.

Ein weiteres erwähnenswerte Detail ist der Umstand, dass Toast für seinen flexiblen Grid-Ansatz mal eben auf eines der mit CSS3 neu eingeführten Box-Modelle baut (ohne darauf hinzuweisen, wohlgemerkt). Das macht die Arbeit mit flexiblen Breiten oder unterschiedlichen Einheiten in aktuellen Browsen ausgesprochen angenehm - solange man sich nicht um den Internet Explorer 6 und 7 kümmern muss. Denn diesen dürfte das Grid bei Verwendung irgendeines horizontalen Padding oder Border-Eigenschaft um die Ohren fliegen. Das muss man nicht zwingend negativ sehen, erwähnenswert ist es aber schon (zumal die Codebasis überschaubar ist). Ich persönlich mag da altmodisch denken, aber innerhalb eines Frameworks, halte ich das auch heute mindestens für problematisch, denn die Folgen in alten Browsern können drastisch ausfallen.

Ebenfalls wäre durchaus diskussionsbedürftig, ob es aus Design-Sicht sinnvoll ist, wenn ein CSS-Framework unter “responsive” nichts anderes versteht, als das Grid unterhalb von 775 Pixeln vollständig zu linearisieren (was im übrigen nicht nur Toast, sondern auch andere Projekte betrifft). Aus meiner Sicht stellt sich beispielsweise die Frage, ob ein CSS-Framework für flexible Layouts überhaupt eine solche fixe Grenze vorschreiben sollte? Denn gerade flexible Layouts funktionieren erst richtig gut, wenn man die einzelnen Abstufungen des Layouts individuell auf dessen grafische Elemente abstimmt und sich nicht sklavisch einer fixen Zahl unterwirft, deren Ursprung vor vielen Jahren seine Relevanz verloren hat.

Alle diese Punkte spricht der Beitrag bei T3N aber leider nicht an. Stattdessen bleibt er oberflächlich und nichts-sagend, denn Statements wie “Toast ist nicht für jedes Projekt geeignet. Textlastige Websites können durch den Einsatz des Frameworks an Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit gewinnen.” ist ohne Begründung nichts wert. Das eine oder andere wenig technische Detail oder gar eine kritische Anmerkung zur x-ten Kopie der Kopie des Grid-Ansatzes sind offensichtlich zuviel verlangt. Stattdessen werden einfach die Infotexte der Toast-Webseite abgetippt, übersetzt und nicht gerade subtil bebildert - fertig ist der neue Fachbeitrag und genauso schnell sind die Infomeldungen darüber bei Twitter, Facebook, Google+ untergebracht. Dieses Schema taugt auch für die nächsten 50 CSS-Frameworks, soviel ist klar.

Nun, wir haben im deutschsprachigen Raum leider nur eine sehr überschaubare Anzahl von Magazinen, die sich der Frontendentwicklung widmen. Deshalb ich finde es ehrlich gesagt jammerschade, dass die Jungs von T3N sich nicht mehr die Zeit nehmen, den Inhalt der Beiträge vor dem Schreiben genauer unter die Lupe zu nehmen. Hauptsache raus, die gierige Meute im Social-Network-Zirkus will bespaßt werden. Sorry T3N, ihr macht Euch uninteressant und entbehrlich.


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