Real World
Sonntag06. Dezember 2009

Am 4. Dezember wurden im Rahmen einer einer feierlichen Veranstaltung im Postbahnhof Berlin die diesjährigen Gewinner des mittlerweile 6. Biene-Wettbewerbs (Barrierefreies Internet Eröffnet Neue Einsichten) ausgezeichnet . Eine Woche zuvor waren die 24 Finalisten bekannt gegeben worden, die alle formalen Kriterien und – der folgende Punkt wird vielfach vergessen – umfangreiche Nutzertests erfolgreich bestanden haben. Aus der Reihe der Finalisten kürte eine prominent besetzte Jury schließlich die besten Webauftritte und vergab insgesamt 17 Biene-Preise in Gold, Silber und Bronze.

Wie schon im letzten Jahr war auch dieses Mal YAML wieder zahlreich unter den Finalisten und Preisträgern vertreten. Insgesamt 5 der 24 Webseiten im Finale des Wettbewerbs setzen auf das bekannte CSS-Framework, drei davon wurden letztlich mit einer Biene in Bronze prämiert.

Hier noch einmal die Finalisten und Preisträger mit YAML unter der Haube:

  • Gemeinde Issum:www.issum.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Komplexe Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Stadt Nettetal: www.nettetal.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Komplexe Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Naturheilpraxis Angela Käßner: http://www.naturheilpraxis-kaessner.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Stadt Kevelaer: www.kevelaer.de (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Stadt Emmerich am Rhein: www.emmerich.de (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)

Dabei steuert das YAML Framework nur einen kleinen Teil zur Barrierefreiheit einer Webseite bei, die Hauptarbeit liegt nach wie vor bei den verantwortlichen Webdesignern und Redakteuren, denn so aufwändig die Erstellung einer Webseite auch ist, stellt deren Betrieb mit regelmäßigen Anpassungen/Überarbeitungen und ständigen redaktionellen Änderungen die wahre Herausforderung dar, soll der hohe Qualitätsstandard dauerhaft gehalten werden. Als Technische Basis der verschiedenen YAML-basierten Seiten kamen die Framework-Versionen 2.5.x und 3.0.x zum Einsatz. Schon daran kann man erkennen, dass der Aufbau komplexer Informationsangebote viel Zeit in Anspruch nimmt, denn die Version 3.1 (Januar 2009) sowie die aktuelle Version 3.2 waren noch nicht vertreten. Damit aber genug dazu.

Besonders beeindruckend finde ich die Tatsache, dass trotz der gestiegenen Anforderungen an die Bewerber, vermehrt komplexe Angebote ins Finale einziehen und Preisträger werden. So konnten in diesem Jahr, der Webauftritt der DHL, das Online-Banking-Portal der Credite Suisse oder auch der SWR und die Zeit Online silberne Bienen mit nach Hause nehmen. Für den Webshop Manufaktum gab’s gar eine Biene in Gold.

Ebenfalls immer mit dabei sind die zahlreichen Kritiker, die Finalisten und Preisträger im Nachhinein sezieren und dabei immer wieder vermeintliche Haare in der Suppe finden. Sei es die mangelnde Validität oder die vergleichsweise schlichte Optik mancher Seite oder oder oder. Doch die Biene bewertet keine Photoshop-Künste, sondern Zugänglichkeit. Und so stellt die Riege der Finalisten und Preisträger einen aus meiner Sicht im Bezug auf die Designqualität einen durchaus repräsentativen Querschnitt aktueller Webseiten dar. Darunter sehr schöne Seiten wie www.bund.de oder die Zeit Online und daneben eben auch weniger schicke Angebote wie die des Hamburger Verkehrsverbundes (Biene in Bronze) oder der Stadt Suttgart. Hier mag dem einen oder anderen das Bling Bling  fehlen, dafür überzeugen alle diese Seiten mit hervorragender Zugänglichkeit, was viel zu viele Hochglanz-Webseiten nicht für sich in Anspruch nehmen können. Und an dieser Stelle vertraue ich der Jury, denn ins Finale kommt man nicht allein durch das Abarbeiten von Barrierefreiheits-Checklisten sondern die Seiten müssen sich in zahlreichen Nutzertests beweisen - Design hin oder her.

Allen Kritikern sei daher angeraten: Kritik ist erlaubt, schnödes Meckern ist nur peinlich. Aber wenn Ihr es besser wisst dann geht bei Euren eigenen Projekten mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass es besser geht. Entwickelt charmante Lösungen, erstellt attraktive Webseiten, reicht diese zur Biene 2010 ein. Dann könnte der Anteil attraktiver Angebote weiter steigen und vielleicht hört dann auch endlich mal die BF-Szene damit auf, sich selbst der der Lächerlichkeit preiszugeben, indem permanent gegenüber Berufskollegen gemeckert und Preisträger seziert werden. Tomas Caspers hat es auf der diesjährigen Webtech-Konferenz auf den Punkt gebracht.

“Auch bei Beachtung der WCAG 2.0 und dem Einsatz moderner Webtechniken wie WAI-ARIA kann man dennoch an einzelnen Details scheitern. Doch passiert dies immernoch auf einem weitaus höheren Niveau als bei jenen, die sich aus Angst vor dem möglichen Scheitern gar nicht erst auf den Weg machen.”

Und genau so sehe ich das auch: Der Weg ist das Ziel.

Abschließend sei noch die Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf erwähnt, die ebenfalls mit einer Biene in Silber ausgezeichnet wurde. Dieses Projekt wurde innerhalb von 3 Jahren ausschließlich von engagierten Mitarbeitern der Bibliothek realisiert – ganz ohne eine professionelle Agentur. Eine solche Leistung verdient höchsten Respekt.


Montag30. November 2009

Das Barcamp Mainz ist vorüber und damit eines der besten Barcamps, dass ich in den letzten 3 Jahren miterleben durfte. Das Hörsaalgebäude der Naturwissenschaften auf dem Campus der Uni Mainz war das erste der vielen guten Entscheidungen des Orga-Teams. Organisation, Verpflegung, Sessionangebot… alles wie man es sich wünscht, um sich in entspannter Atmosphäre über 2 Tage den unterschiedlichsten Themen hinzugeben.

Insbesondere das breitgefächerte Themenangebot hat es mir dieses Mal angetan. So umfasste mein persönlicher Sessionplan eine CMS-Diskussion, Rechtfragen in Social Networks, Rapid Prototyping mit jQuery, User Interface Design aus Spiele-Sicht, Erfahrungsberichte von Freelancern sowie zahlreiche kurze und einige längere Gespräche bei Kaffee und leckerem Kuchen. Ich selbst habe die Gelegenheit genutzt, nach ca. 8 Monaten und ca. 6000 Zeilen JS-Code ein erstes Feedback zu meinem aktuellen Projekt einzuholen.

Und abseits der Sessions sind Barcamps eben auch immer wieder eine tolle Gelegenheit, bekannte und unbekannte Gesichter zu treffen, sich auszutauschen und über alle möglichen und unmöglichen Dinge zu schwatzen. Und genau für diese entspannte Atmosphäre danke ich dem Orga-Team. Allen voran Darren Cooper, dessen herzerwärmende, lebensfrohe englische Art ich an zwei Abenden im #csshaus als Gast von Jens erleben durfte. Und so war ich denn einerseits etwas traurig, dass Sonntag 15:00 das Barcamp für mich bereits zu Ende war - mein Flieger nach Dresden wartete auf mich - andererseits bin ich selten so motiviert aus einer Veranstaltung gegangen wie dieses Mal.

Jederzeit gerne wieder ... wir sehen uns Mainz.


Dienstag24. November 2009

... oder wie es die Prophezeihung in den alten Schriften von Kobol ankündigt: "Dies ist alles schon einmal passiert, es wird wieder passieren". Leider sind die wenigsten Gruselgeschichten so gut, dass man sich auf eine Fortsetzung freut. Dennoch präsentiere ich heute den offiziellen Nachfolger meines letztjährigen Wintermärchens.

Die Vorgeschichte

Es begab sich im Sommer zu 2009, als ein aufstrebener Webentwickler, ich nenne ihn Herrn X. seine eigene Webseite neu einrichten wollte. Da die eigene Kreativität wohl gerade gemeinsam mit seinem Verstand auf Badeurlaub in der Karibik waren, griff Herr X. von jeglichen Hemmungen befreit in eine der unteren Schubladen des guten Benehmens, setzte seine copy & paste Mütze auf und streifte durchs Internet: Warum sich etwas neu ausdenken, was andere schon so übersichtlich und ansprechend hinbekommen haben? Letztlich sind wir doch eh eine große Familie im Web … und so fand er meine Webseite. Und diese gefiel ihm vom Aufbau und Design so einmalig gut, dass er seine ganz genauso aufgebaut und aussehen sollte. Nur hier und da einige winzige Änderungen – der individuellen Note wegen – ein Tüpfelchen Farbe hier und eine runde Ecke da, ganz dezent natürlich, die Vorlage war für ihn schließlich schon so nahe der Perfektion. Schön auch, dass ich seinerzeit einen längeren Blogbeitrag zu meinen Designentscheidungen verfasst hatte. Das hatte auch Herr X. bemerkt und erwähnenswerte Passagen kurzerhand in den Relaunch-Beitrag seines neuen Layouts übernommen.

Einige Monate später trug es sich zu, dass ich beim Sichten einiger Kommentare zufällig auf der schönen neuen Webseite des Herrn X. landete und dort ein ein selten-klares Déjà-vu erlebte. Das alles hatte ich schon mal gesehen … ja richtig, bei mir selbst. Und weil ich wenig begeistert war, die Mühen meiner Freizeit weitgehend deckungsgleich als das Aushängeschild des "professionell" arbeitenden Herrn X. wiederzuerkennen (einzelne Grafiken flossen sogar in eines seiner Referenzprojekte ein), kontaktierte ich Herrn X. per Skype um ihm mein Unbehagen bezüglich seines Handelns zu verdeutlichen. Herr X. berief sich im weiteren Verlauf auf selektiven Gedächtnisausfall ("Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe.") gab jedoch nach mühsamer Diskussion, wie anders ein eigenständiges Layout denn mindestens sein müsse, letztlich doch nach und beseitigte das Problem weitgehend. Damit war das Thema aus der Welt und die Welt drehte sich langsam weiter…

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Mittwoch23. September 2009

Zu lesen gibts hier im Moment ja nicht allzuviel, deshalb will ich wenigstens kurz eine Statusmeldung geben, was für die nächsten 2..3 Monate so geplant ist.

Veranstaltungen & Vorträge

Heute Nachmittag geht mein Flieger nach Düsseldorf, wo morgen zum Dritten Mal das “Best of Accessibility” Symposium stattfinden wird. Veranstalter des Symposiums sind wie immer die Herren Ansgar Hein und Jörg Morsbach von Anatom5.

Zusammen mit David Maciejewski (Mr. Technikwürze) werde ich dort einen Vortrag zum Thema “Performance-Optimierung: Barrierefreiheit beginnt mit Ladezeiten” halten. Ich freue mich bereits riesig darauf, genauso wie darauf, endlich mal Chris Heilmann persönlich kennenzulernen und natürlich auch das eine oder andere bisher unbekannte Gesicht aus der Blog- und Twitterwelt. Die Folien unseres Vortrages wird es natürlich im Anschluss auch hier im Weblog bzw. bei Slideshares geben.

Im November gehts weiter mit gleich zwei Veranstaltungen. Am 12.11.2009 werde ich in Dresden beim “World Usability Day” einen Vortrag zu den Herausforderungen moderner Webentwicklung halten. Eine Woche später gehts nach Karlsruhe zur Webtech 2009. Dort wird es mich gleich zweimal geben. Zum einen werde ich einen Ausblick über die Zukunft von CSS-Frameworks im professionellen Alltag wagen, zum anderen werden Nocolai Schwarz und ich im “Webstandards Day” Track (dem inoffiziellen Webkrauts-Track) gemeinsam über “Best Practices in JavaScript und CSS” vortragen.

YAML & Friends

Auch bei YAML ist kein Stillstand. Zwar sind die Release-Zyklen etwas länger geworden, doch das sollte bei der Reife des Frameworks nicht weiter stören. Im Verlauf des letzten halben Jahres hat sich die Browserwelt deutlich verändert. Der Internet Explorer 8 ist ebenso in seiner finalen Fassung erschienen wie der Firefox 3.5, Safari 4 und kürzlich Opera 10. Auf die neuen Browsergenerationen gilt es zu reagieren und demzufolge wird es einige Anpassungen des Frameworks geben, die zum Teil bereits im YAML-Forum diskutiert wurden. Daneben gibts mit YAML 3.2 weitere Verbesserungen und Erweiterungen des Frameworks, unter anderem:

  • Einen deutlich schlankeren Framework-Core
  • Verbesserungen beim Formularbaukasten
  • Eine neue und komfortablere Skiplink-Lösung

Natürlich ist das nicht alles, mehr Informationen wird es geben, sobald der Releasetermin für YAML 3.2 in Sichtweite rückt. Über den schlankeren Core habe ich ja bereits in einem früheren Blogbeitrag kurz ein paar Worte verloren. Daneben wurden auch die “Begleitprojekte”, der YAML Builder und YAML Debug im letzten halben Jahr still und leise weiter verfeinert. So steht seit einigen Wochen im YAML Builder die seit Veröffentlichung von Flash 10 von vielen Nutzern schmerzlich vermisste “Copy to Clipboard” Funktionalität wieder zur Verfügung und auch YAML Debug nähert sicht nach zahlreichen Bugfixes und kleinen Verbesserungen unter der Haube langsam der Version 1.0 und dem Verlassen des Beta-Status. Besonders freut mich, dass YAML Debug im Mozillas Open Web Tool Directory gelistet ist.

Soweit die Infos zu YAML, die Veröffentlichung der Version 3.2 ist für den Oktober anvisiert.

Geheimniskrämerei

Und abschließend folgt jetzt noch eine Grund für die Ruhe der vergangenen Monate hier im Blog, die vermutlich auch noch bis zum Ende des Jahres (mit gelegentlichen Wortmeldungen) anhalten wird. Ich arbeite seit ca. 4 Monaten intensiv an einen neuen Großprojekt (aktueller Stand: ca. 5500 Zeilen Code) welches – wenn es planmäßig weiter geht – im Spätherbst die ersten ausgesuchten Betatester empfangen wird. Mehr Infos gibt es momentan nicht.

So, das war’s für heute. An alle BOA-Besucher, wir sehen uns morgen.


Montag20. Juli 2009

Frank Bültge, einer der bekanntesten Köpfe der deutschen Wordpress-Szene äußerte am Samstag in seinem Blogbeitrag "Unzufrieden als digitaler Freizeitkämpfer" seinen Umut über das geringe Feedback auf seine vielen GPL-Veröffentlichungen der letzten Jahre. Frank bezieht sich dabei einerseits auf die extrem geringe Spendenbereitschaft im deutschsprachigen Raum, aber auch auf sehr spartanisches oder gar ausbleibendes Nutzerfeedback, speziell aus dem Bereich der Businessanwender. Frank Bültge spricht damit ein Thema an, welches mir seit vielen Jahren nur zu gut vertraut ist – die Wertschätzung von Open Source in Deutschland.

Die Diskussion in den Kommentaren ließ nicht lange auf sich warten und ist ausgeprochen fasettenreich. Bemerkenswert und und leider kein Einzelfall sind Kommentare mit folgendem Tenor:

Wenn es kostenlos ist, ist es kostenlos! Ich zahle gern für gute Software und gute Plugins, auch gern mal etwas mehr. Aber irgendwie versteh ich Eure Sicht trotzdem nicht, denn im Grunde liest es sich ja schon so raus das ihr gönnerhaft GPL Plugins schreibt, dann aber trotzdem hofft eine Spende zu bekommen, letztlich ist GPL dann sinnfrei weil ihr für Eure Leistung einen finanziellen Gegenwert erhaltet, auch wenn der sicherlich nicht im Verhältnis zu Euer Arbeit steht.

Kommentar Nr. 48

Die GPL ist aus Anwendersicht eine tolle Sache, den diese Lizenz gibt dem Anwender sehr viele Freiheiten und die notwendige Rechtssicherheit, aber keine Arbeit – und schon gar nicht qualitativ hochwertige Arbeit – ist umsonst. Der Autor dieses Kommentars sieht das jedoch ganz anders.

Seit vielen Jahren existieren zahlreiche schillernde Perlen am Open-Source-Himmel, die da lauten: Mozilla Firefox & Thunderbird, Wordpress, MySQL, OpenOffice, Joomla, Ubuntu, jQuery, Eclipse u.v.a.m. All diese Dinge gibt es quasi gratis für den Anwender. Dieser Umstand lässt schnell vergessen, dass hinter diesen erfolgreichen Großprojekten finanzkräftige Firmen, Organisationen oder Sponsoren stecken, die solche langfristig angelegten Projekte mit einer Vielzahl exzellenter Entwickler überhaupt ermöglichen und die vom Nutzer letztlich als qualitativ hochwertige Produkte wahrgenommen werden. Doch die GPL vereint nicht nur Großprojekte. Eine riesige Menge an Erweiterungen für diese Projekte aber auch viele kleinere, eigenständige Entwicklungen werden unter GPL lizensiert, wobei hier viel öfter kleinere Entwicklerteams oder Einzelentwickler wie Frank Bültge stehen. Und für diese Entwicklungen gilt das oben gesagte leider nicht. Zwei, drei Schritte von den Top-100 der Open-Source-Projekte entfernt ist es mit dem externen Geldregen in der Regel vorbei. Und hierbei spreche nicht vom reich werden, sondern vom notwendigen Lebensunterhalt. Die Mozilla-Entwickler leben genauso wenig von Luft und der ewigen Liebe der Nutzercommunity.

Doch genau dieser Teil von Open Source scheint vielfach ignoriert oder nicht verstanden zu werden. Anders kann ich mir solche Kommentare nicht erklären. Oder nehmen wir folgenden Kommentar:

... So wie Autoren das erste Buch fast verschenken, wird die zweite Auflage teuer an den Mann gebracht.

Kommentar Nr. 45

Das mag ein undurchdachter Spruch eines ahnunglosen Bloggers sein, aber dieser Satz dürfte wirklich jedem Fachbuchautor unter die Haut gehen, denn gegensätzlicher könnten die Mutmaßungen des Kommentarautors und der Realität kaum sein. Frank Bültge hat hierzu übrigens bereits Stellung genommen, klingt dabei aber aus meiner Sicht relativ resignierend.

Doch wo ist der Ausweg? Viele Kommentatoren empfehlen Frank, sich besser zu vermarkten, sein Wissen nicht – für lau – preiszugeben. Und die meisten versichern ganz selbstverständlich, für gute Software auch zu zahlen. Doch geht das überhaupt? Vorrausgesetzt man ist freiberuflich dieser Branche unterwegs, können Veröffentlichungen unter GPL-Lizenz, wie auch Bücher, die perfekte Eigen-PR sein. In diesem Fall entsteht die Entlohnung nämlich nicht direkt über Lizenzeinnahmen sondern indirekt und langfristig über den wachsenen Bekanntheitsgrad und die Reputation in der Community, wodurch man Aufträge aquirieren kann - von deren Entlohnung der Entwickler letztlich seine Miete und die Brötchen bezahlt.

Doch dieser indirekte Weg – und dabei gleichen sich die Umstände bei Frank Bültge und mir – ist bei so manchem Entwickler nur in Ausnahmefällen bzw. gar nicht möglich. Sowohl Frank Bültge als auch ich dürfen uns als so genannte "Freizeitkämpfer" bezeichnen. Wir haben andere, zeitintensive Berufe und tummeln uns mehr oder weniger in unser Freizeit in dieser Branche. Das machen viele, klar, aber nur wenige mit jahrelanger Ausdauer und in der Qualität, wie sie Frank Bültge vorlebt.

Ich selbst stand mit YAML vor knapp 4 Jahren genau vor dieser Entscheidung. Nach ersten Nutzungsanfragen aus dem professionellen Bereich musste eine Entscheidung hinsichtlich einer sinnvollen Lizenz getroffen werden. Ich habe all diese Probleme bereits damals gewälzt und mich mit YAML bewusst gegen die GPL entschieden. Und diese Entscheidung war in den vergangen Jahren immer wieder Grund zahlreicher verbaler Tiefschläge von Leuten, die meine Arbeit nur allzu gern unter GPL (und wohl somit ohne jegliche Gegenleistung) gesehen hätten, die ich hier nicht wieder auffrischen will. Und erstaunlicherweise kamen diese Stimmen vorwiegend aus dem Agenturumfeld.

Ich kann aus heutiger Sicht sagen, dass ich damals richtig entschieden habe und dies auch immer wieder tun würde. Der Weg war nicht gerade frei von Steinen aber letztlich erfolgreich. Ich sehe YAML als Open Source Projekt, denn der bei weitem überwiegende Teil der Downloads geht auf Nutzer, welche das Framework unter der Creative Commons Lizenz einsetzen. Und in diesem Bereich sind durchaus Parallelen zu erkennen. Fachliches Feedback ist extrem selten und hätte ich nicht einige wenige treue Helfer, würde die Weiterentwicklung sehr viel schwieriger sein. Der Supportaufwand, gerade aus diesem Bereich heraus ist jedoch gewaltig. Und Support ist keineswegs ein optionales Gut. Er gehört dazu, ob man will oder nicht. Auch ich hatte über drei Jahre einen kleinen Paypal-Button auf meiner Seite, der in dieser Zeit gerade einmal 35 EUR eingebracht hat. Seit August letzten Jahres ist er deshalb einer Amazon-Wunschliste gewichen - welche sehr viel mehr Akzeptanz bei den Nutzern hat. An dieser Stelle möchte ich mich deshalb bei allen bedanken, die mir über die Wunschliste bereits Freude bereitet haben. Ich versuche auch stets, soweit es die beiliegende Amazon-Rechnung ermöglicht, mich bei den jeweiligen Absendern persönlich zu bedanken. Leider klappt das nicht immer. Deshalb an dieser Stelle stellvertretend mein nochmaliger Dank an alle Spender.

Ich kann und möchte aber nicht sagen, dass Frank mit seiner Entscheidung pro GPL etwas falsch gemacht hätte. Vielmehr gibt es offensichtlich zahlreiche Leute da draußen, die bis heute das Konzept "Open Source" nicht verstanden haben. Open Source war nie als Einbahnstraße gedacht und kann auch so nicht funktionieren und es täte mir leid wenn Leute wie Frank, denen im konkreten Fall die Wordpress-Community viel zu verdanken hat, sich resigniert vom Open Source Gedanken abwenden.


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