Zugänglichkeit
Mittwoch16. November 2011

Der Beitrag “6 Things I Learned About Print Stylesheets From HTML5 Boilerplate” hat mich daran erinnert, dass ich schon lange mal ein paar Worte über das HTML5 Boilerplate verlieren wollte. Ich halte dieses Projekt abseits des HTML5 Hypes für eine geniale Sache, insbesondere wegen seines umfangreichen und ausgeklügelten Build-Skripts und der mitgelieferten Apache-Konfiguration per .htaccess. Bei den CSS-Definitionen finde ich die Einbindung des Normalize.css Projekts sehr viel sinnvoller (wenn auch recht umfangreich) als die vielseits beliebten Reset-Stylesheets von Eric Meyer oder YUI.

Die Vorgaben des Print-CSS kann ich allerdings weniger empfehlen (ist aber auch weniger dramatisch). Speziell geht es mir um die “Print Friendly Links”, wie es der oben zitierte Beitrag nennt. Hier der betreffende Auszug aus dem HTML5 Boilerplate.

a[href]:after { content: " (" attr(href) ")"; }
abbr[title]:after { content: " (" attr(title) ")"; }
.ir a:after, a[href^="javascript:"]:after,
a[href^="#"]:after { content: ""; } /* Don't show links for images, or javascript/internal links */

Ich habe Vergleichbares (Automatische Auszeichnung von URLs, Akronymen und Abkürzungen) seit vielen Jahren in den YAML Druckstylesheets integriert, allerdings bin ich recht schnell wieder einen Schritt zurück gegangen, indem ich diese Regeln nur noch auskommentiert mitliefere und das aus gutem Grund.

Es ist auf den ersten Blick sicher nachvollziehbar, dass verlinkte URLs beim Druck verloren gehen und man als zuvorkommender Webentwickler diese deshalb hinter dem Linktext mit ausdrucken will, damit für den Anwender der Quellenverweis erhalten bleibt. Doch mal ehrlich: Wie oft hat jeder von Euch im letzten Jahr eine auf Papier abgedruckte URL in den Browser eingetippt? Und wie oft war diese dann länger als 10 Zeichen? Ist die pauschale Ausgabe von URLs also wirklich sinnvoll?

Aus dem anvisierten Komfort für den User wird in der Praxis schnell ein Nerv-Feature – und meist auch der Regelfall. Im Gegensatz zum Print arbeiten wir im Netz nicht mit Quellenverzeichnissen am Ende des Textes, sondern verlinken Schlagworte oder ganze Sätze direkt und im Idealfall auch recht umfangreich. Allerdings steht im Netz die Querverlinkung dem Lesefluss und -genuss auch nicht im Wege. Ausgedruckt ist ein solches Dokument allerdings nur noch bedingt gut lesbar, wenn der Fließtext regelmäßig durch lange, kryptische, nicht umbrechbare URLs unterbrochen wird. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Mehrzahl der Anwender eben nicht diebisch darüber freut, eine neue URL zum Abtippen gefunden zu haben.

Gleiches gilt für die Anzeige der title-Attribute von Abkürzungen. Gute Schreibe gebietet, dass Abkürzungen bei ihrem ersten Auftauchen im Text eingeführt/erläutert werden. Aber eben nur beim ersten Mal (vielleicht noch beim zweiten, dann ist aber gut). Das Einpflegen von Akronymen und Abkürzungen erledigt im HTML aber fast niemand von Hand - weil es recht lästig und umständlich ist. Dafür gibt es bei vielen Content Management Systeme entsprechende Plugins, die diese Aufgabe automatisch anhand von Wortlisten übernehmen. Auch daran gibt auf den ersten Blick nichts auszusetzen, denn schließlich wird das title-Attribut nur angezeigt, wenn der Anwender das Element mit der Maus ansteuert und darüber verweilt. Aber schon Nutzer von Screenreadern dürften derartige Automatismen stören, wenn z.B. in einem Webdesign-Fachtext hinter jedem jedem HTML (Hypertext Markup Language) steht/vorgelesen wird. Und Lesern eines ausgedruckten Dokuments geht es da nicht anders.

Die sichtbare Auszeichnung von URLs und Abkürzungen ist per Definition weder unnütz noch schädlich. Allerdings ist sie eben nur dann sinnvoll, wenn die Inhalte entsprechend sorgfältig dahingehend aufbereitet sind, in dem beispielsweise nur die URL von besonders gekennzeichneten Links ausgegeben wird. Genauso wie der Ausdruck der title-Attribute von Abkürzungen nur dann für den User sinnvoll ist, wenn die Texte auch entsprechend sorgfältig aufbereitet werden. Andernfalls kann beides schnell zum billigen Werbefeature des Entwicklers werden, welches u.U. deutlich an den Interessen des Lesers (Internetausdruckers) vorbei geht.

Und so versteckt sich auch im HTML5 Boilerplate die eine oder andere Regel, deren Nutzen mehr Schein als Sein ist, wenn man sie gedankenlos übernimmt.


Freitag12. Februar 2010

Skiplinks gehören zu den grundlegenden Navigationshilfen, welche die Zugänglichkeit komplexer Webseiten verbessern können, indem sie es dem Nutzer erlauben, wichtige Elemente einer Webseite schnell und ohne Umwege zu erreichen, z.B. die Hauptnavigation, den Inhaltsbereich oder ein Formular. Aufgrund meiner Erfahrungen bei der Arbeit an und mit YAML gibt’s hier nun einen kleinen Best Practice Beitrag zum Thema.

Anforderungen

Zunächst wären noch einmal die Anforderungen an Skiplinks zu definieren. Die WCAG 2.0 gibt unter G1 Testkriterien vor:

  1. Stelle sicher, dass Skiplinks die ersten focussierbaren Elemente der Webseite darstellen.
  2. Stelle sicher, dass die Linkbeschreibung eine verständliche Beschreibung des Sprungzieles enthält.
  3. Stelle sicher, dass der Skiplink entweder immer oder zumindest dann sichtbar ist, wenn der Tastaturfocus auf ihm liegt.
  4. Stelle sicher, dass beim Aktivieren eines Skiplinks der visuelle Focus im Viewport des Browsers auf das Ziel gesetzt wird.
  5. Stelle sicher, dass nach dem Aktivieren des Skiplinks der Tastaturfocus auf das Zielelement gesetzt wurde.

Die WCAG ist unnachgiebig, was diese Kritierien betrifft: Alle 5 Testkriterien müssen erfüllt werden.

Den gesamten Beitrag lesen


Sonntag06. Dezember 2009

Am 4. Dezember wurden im Rahmen einer einer feierlichen Veranstaltung im Postbahnhof Berlin die diesjährigen Gewinner des mittlerweile 6. Biene-Wettbewerbs (Barrierefreies Internet Eröffnet Neue Einsichten) ausgezeichnet . Eine Woche zuvor waren die 24 Finalisten bekannt gegeben worden, die alle formalen Kriterien und – der folgende Punkt wird vielfach vergessen – umfangreiche Nutzertests erfolgreich bestanden haben. Aus der Reihe der Finalisten kürte eine prominent besetzte Jury schließlich die besten Webauftritte und vergab insgesamt 17 Biene-Preise in Gold, Silber und Bronze.

Wie schon im letzten Jahr war auch dieses Mal YAML wieder zahlreich unter den Finalisten und Preisträgern vertreten. Insgesamt 5 der 24 Webseiten im Finale des Wettbewerbs setzen auf das bekannte CSS-Framework, drei davon wurden letztlich mit einer Biene in Bronze prämiert.

Hier noch einmal die Finalisten und Preisträger mit YAML unter der Haube:

  • Gemeinde Issum:www.issum.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Komplexe Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Stadt Nettetal: www.nettetal.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Komplexe Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Naturheilpraxis Angela Käßner: http://www.naturheilpraxis-kaessner.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Stadt Kevelaer: www.kevelaer.de (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)
  • Stadt Emmerich am Rhein: www.emmerich.de (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommu­nikations­angebote‹)

Dabei steuert das YAML Framework nur einen kleinen Teil zur Barrierefreiheit einer Webseite bei, die Hauptarbeit liegt nach wie vor bei den verantwortlichen Webdesignern und Redakteuren, denn so aufwändig die Erstellung einer Webseite auch ist, stellt deren Betrieb mit regelmäßigen Anpassungen/Überarbeitungen und ständigen redaktionellen Änderungen die wahre Herausforderung dar, soll der hohe Qualitätsstandard dauerhaft gehalten werden. Als Technische Basis der verschiedenen YAML-basierten Seiten kamen die Framework-Versionen 2.5.x und 3.0.x zum Einsatz. Schon daran kann man erkennen, dass der Aufbau komplexer Informationsangebote viel Zeit in Anspruch nimmt, denn die Version 3.1 (Januar 2009) sowie die aktuelle Version 3.2 waren noch nicht vertreten. Damit aber genug dazu.

Besonders beeindruckend finde ich die Tatsache, dass trotz der gestiegenen Anforderungen an die Bewerber, vermehrt komplexe Angebote ins Finale einziehen und Preisträger werden. So konnten in diesem Jahr, der Webauftritt der DHL, das Online-Banking-Portal der Credite Suisse oder auch der SWR und die Zeit Online silberne Bienen mit nach Hause nehmen. Für den Webshop Manufaktum gab’s gar eine Biene in Gold.

Ebenfalls immer mit dabei sind die zahlreichen Kritiker, die Finalisten und Preisträger im Nachhinein sezieren und dabei immer wieder vermeintliche Haare in der Suppe finden. Sei es die mangelnde Validität oder die vergleichsweise schlichte Optik mancher Seite oder oder oder. Doch die Biene bewertet keine Photoshop-Künste, sondern Zugänglichkeit. Und so stellt die Riege der Finalisten und Preisträger einen aus meiner Sicht im Bezug auf die Designqualität einen durchaus repräsentativen Querschnitt aktueller Webseiten dar. Darunter sehr schöne Seiten wie www.bund.de oder die Zeit Online und daneben eben auch weniger schicke Angebote wie die des Hamburger Verkehrsverbundes (Biene in Bronze) oder der Stadt Suttgart. Hier mag dem einen oder anderen das Bling Bling  fehlen, dafür überzeugen alle diese Seiten mit hervorragender Zugänglichkeit, was viel zu viele Hochglanz-Webseiten nicht für sich in Anspruch nehmen können. Und an dieser Stelle vertraue ich der Jury, denn ins Finale kommt man nicht allein durch das Abarbeiten von Barrierefreiheits-Checklisten sondern die Seiten müssen sich in zahlreichen Nutzertests beweisen - Design hin oder her.

Allen Kritikern sei daher angeraten: Kritik ist erlaubt, schnödes Meckern ist nur peinlich. Aber wenn Ihr es besser wisst dann geht bei Euren eigenen Projekten mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass es besser geht. Entwickelt charmante Lösungen, erstellt attraktive Webseiten, reicht diese zur Biene 2010 ein. Dann könnte der Anteil attraktiver Angebote weiter steigen und vielleicht hört dann auch endlich mal die BF-Szene damit auf, sich selbst der der Lächerlichkeit preiszugeben, indem permanent gegenüber Berufskollegen gemeckert und Preisträger seziert werden. Tomas Caspers hat es auf der diesjährigen Webtech-Konferenz auf den Punkt gebracht.

“Auch bei Beachtung der WCAG 2.0 und dem Einsatz moderner Webtechniken wie WAI-ARIA kann man dennoch an einzelnen Details scheitern. Doch passiert dies immernoch auf einem weitaus höheren Niveau als bei jenen, die sich aus Angst vor dem möglichen Scheitern gar nicht erst auf den Weg machen.”

Und genau so sehe ich das auch: Der Weg ist das Ziel.

Abschließend sei noch die Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf erwähnt, die ebenfalls mit einer Biene in Silber ausgezeichnet wurde. Dieses Projekt wurde innerhalb von 3 Jahren ausschließlich von engagierten Mitarbeitern der Bibliothek realisiert – ganz ohne eine professionelle Agentur. Eine solche Leistung verdient höchsten Respekt.


Freitag25. September 2009

Gestern, am 24.9. hatte ich die Ehre, zusammen mit David Maciejewski auf dem “Best of Accessibility” Symposium über Möglichkeiten zur Optimierung der Ladezeiten von Webseiten zu sprechen. David war so freundlich und hat die Folien bereits bei Slideshares hochgeladen, sodass ich sie hier zur Verfügung stellen kann.


Mittwoch23. September 2009

Zu lesen gibts hier im Moment ja nicht allzuviel, deshalb will ich wenigstens kurz eine Statusmeldung geben, was für die nächsten 2..3 Monate so geplant ist.

Veranstaltungen & Vorträge

Heute Nachmittag geht mein Flieger nach Düsseldorf, wo morgen zum Dritten Mal das “Best of Accessibility” Symposium stattfinden wird. Veranstalter des Symposiums sind wie immer die Herren Ansgar Hein und Jörg Morsbach von Anatom5.

Zusammen mit David Maciejewski (Mr. Technikwürze) werde ich dort einen Vortrag zum Thema “Performance-Optimierung: Barrierefreiheit beginnt mit Ladezeiten” halten. Ich freue mich bereits riesig darauf, genauso wie darauf, endlich mal Chris Heilmann persönlich kennenzulernen und natürlich auch das eine oder andere bisher unbekannte Gesicht aus der Blog- und Twitterwelt. Die Folien unseres Vortrages wird es natürlich im Anschluss auch hier im Weblog bzw. bei Slideshares geben.

Im November gehts weiter mit gleich zwei Veranstaltungen. Am 12.11.2009 werde ich in Dresden beim “World Usability Day” einen Vortrag zu den Herausforderungen moderner Webentwicklung halten. Eine Woche später gehts nach Karlsruhe zur Webtech 2009. Dort wird es mich gleich zweimal geben. Zum einen werde ich einen Ausblick über die Zukunft von CSS-Frameworks im professionellen Alltag wagen, zum anderen werden Nocolai Schwarz und ich im “Webstandards Day” Track (dem inoffiziellen Webkrauts-Track) gemeinsam über “Best Practices in JavaScript und CSS” vortragen.

YAML & Friends

Auch bei YAML ist kein Stillstand. Zwar sind die Release-Zyklen etwas länger geworden, doch das sollte bei der Reife des Frameworks nicht weiter stören. Im Verlauf des letzten halben Jahres hat sich die Browserwelt deutlich verändert. Der Internet Explorer 8 ist ebenso in seiner finalen Fassung erschienen wie der Firefox 3.5, Safari 4 und kürzlich Opera 10. Auf die neuen Browsergenerationen gilt es zu reagieren und demzufolge wird es einige Anpassungen des Frameworks geben, die zum Teil bereits im YAML-Forum diskutiert wurden. Daneben gibts mit YAML 3.2 weitere Verbesserungen und Erweiterungen des Frameworks, unter anderem:

  • Einen deutlich schlankeren Framework-Core
  • Verbesserungen beim Formularbaukasten
  • Eine neue und komfortablere Skiplink-Lösung

Natürlich ist das nicht alles, mehr Informationen wird es geben, sobald der Releasetermin für YAML 3.2 in Sichtweite rückt. Über den schlankeren Core habe ich ja bereits in einem früheren Blogbeitrag kurz ein paar Worte verloren. Daneben wurden auch die “Begleitprojekte”, der YAML Builder und YAML Debug im letzten halben Jahr still und leise weiter verfeinert. So steht seit einigen Wochen im YAML Builder die seit Veröffentlichung von Flash 10 von vielen Nutzern schmerzlich vermisste “Copy to Clipboard” Funktionalität wieder zur Verfügung und auch YAML Debug nähert sicht nach zahlreichen Bugfixes und kleinen Verbesserungen unter der Haube langsam der Version 1.0 und dem Verlassen des Beta-Status. Besonders freut mich, dass YAML Debug im Mozillas Open Web Tool Directory gelistet ist.

Soweit die Infos zu YAML, die Veröffentlichung der Version 3.2 ist für den Oktober anvisiert.

Geheimniskrämerei

Und abschließend folgt jetzt noch eine Grund für die Ruhe der vergangenen Monate hier im Blog, die vermutlich auch noch bis zum Ende des Jahres (mit gelegentlichen Wortmeldungen) anhalten wird. Ich arbeite seit ca. 4 Monaten intensiv an einen neuen Großprojekt (aktueller Stand: ca. 5500 Zeilen Code) welches – wenn es planmäßig weiter geht – im Spätherbst die ersten ausgesuchten Betatester empfangen wird. Mehr Infos gibt es momentan nicht.

So, das war’s für heute. An alle BOA-Besucher, wir sehen uns morgen.


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