Zugänglichkeit
Skiplinks gehören zu den grundlegenden Navigationshilfen, welche die Zugänglichkeit komplexer Webseiten verbessern können, indem sie es dem Nutzer erlauben, wichtige Elemente einer Webseite schnell und ohne Umwege zu erreichen, z.B. die Hauptnavigation, den Inhaltsbereich oder ein Formular. Aufgrund meiner Erfahrungen bei der Arbeit an und mit YAML gibt’s hier nun einen kleinen Best Practice Beitrag zum Thema.
Anforderungen
Zunächst wären noch einmal die Anforderungen an Skiplinks zu definieren. Die WCAG 2.0 gibt unter G1 Testkriterien vor:
- Stelle sicher, dass Skiplinks die ersten focussierbaren Elemente der Webseite darstellen.
- Stelle sicher, dass die Linkbeschreibung eine verständliche Beschreibung des Sprungzieles enthält.
- Stelle sicher, dass der Skiplink entweder immer oder zumindest dann sichtbar ist, wenn der Tastaturfocus auf ihm liegt.
- Stelle sicher, dass beim Aktivieren eines Skiplinks der visuelle Focus im Viewport des Browsers auf das Ziel gesetzt wird.
- Stelle sicher, dass nach dem Aktivieren des Skiplinks der Tastaturfocus auf das Zielelement gesetzt wurde.
Die WCAG ist unnachgiebig, was diese Kritierien betrifft: Alle 5 Testkriterien müssen erfüllt werden.
Am 4. Dezember wurden im Rahmen einer einer feierlichen Veranstaltung im Postbahnhof Berlin die diesjährigen Gewinner des mittlerweile 6. Biene-Wettbewerbs (Barrierefreies Internet Eröffnet Neue Einsichten) ausgezeichnet . Eine Woche zuvor waren die 24 Finalisten bekannt gegeben worden, die alle formalen Kriterien und – der folgende Punkt wird vielfach vergessen – umfangreiche Nutzertests erfolgreich bestanden haben. Aus der Reihe der Finalisten kürte eine prominent besetzte Jury schließlich die besten Webauftritte und vergab insgesamt 17 Biene-Preise in Gold, Silber und Bronze.
Wie schon im letzten Jahr war auch dieses Mal YAML wieder zahlreich unter den Finalisten und Preisträgern vertreten. Insgesamt 5 der 24 Webseiten im Finale des Wettbewerbs setzen auf das bekannte CSS-Framework, drei davon wurden letztlich mit einer Biene in Bronze prämiert.
Hier noch einmal die Finalisten und Preisträger mit YAML unter der Haube:
- Gemeinde Issum:www.issum.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Komplexe Informations- und Kommunikationsangebote‹)
- Stadt Nettetal: www.nettetal.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Komplexe Informations- und Kommunikationsangebote‹)
- Naturheilpraxis Angela Käßner: http://www.naturheilpraxis-kaessner.de – BIENE in Bronze (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommunikationsangebote‹)
- Stadt Kevelaer: www.kevelaer.de (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommunikationsangebote‹)
- Stadt Emmerich am Rhein: www.emmerich.de (Kategorie ›Einfache Informations- und Kommunikationsangebote‹)
Dabei steuert das YAML Framework nur einen kleinen Teil zur Barrierefreiheit einer Webseite bei, die Hauptarbeit liegt nach wie vor bei den verantwortlichen Webdesignern und Redakteuren, denn so aufwändig die Erstellung einer Webseite auch ist, stellt deren Betrieb mit regelmäßigen Anpassungen/Überarbeitungen und ständigen redaktionellen Änderungen die wahre Herausforderung dar, soll der hohe Qualitätsstandard dauerhaft gehalten werden. Als Technische Basis der verschiedenen YAML-basierten Seiten kamen die Framework-Versionen 2.5.x und 3.0.x zum Einsatz. Schon daran kann man erkennen, dass der Aufbau komplexer Informationsangebote viel Zeit in Anspruch nimmt, denn die Version 3.1 (Januar 2009) sowie die aktuelle Version 3.2 waren noch nicht vertreten. Damit aber genug dazu.
Besonders beeindruckend finde ich die Tatsache, dass trotz der gestiegenen Anforderungen an die Bewerber, vermehrt komplexe Angebote ins Finale einziehen und Preisträger werden. So konnten in diesem Jahr, der Webauftritt der DHL, das Online-Banking-Portal der Credite Suisse oder auch der SWR und die Zeit Online silberne Bienen mit nach Hause nehmen. Für den Webshop Manufaktum gab’s gar eine Biene in Gold.
Ebenfalls immer mit dabei sind die zahlreichen Kritiker, die Finalisten und Preisträger im Nachhinein sezieren und dabei immer wieder vermeintliche Haare in der Suppe finden. Sei es die mangelnde Validität oder die vergleichsweise schlichte Optik mancher Seite oder oder oder. Doch die Biene bewertet keine Photoshop-Künste, sondern Zugänglichkeit. Und so stellt die Riege der Finalisten und Preisträger einen aus meiner Sicht im Bezug auf die Designqualität einen durchaus repräsentativen Querschnitt aktueller Webseiten dar. Darunter sehr schöne Seiten wie www.bund.de oder die Zeit Online und daneben eben auch weniger schicke Angebote wie die des Hamburger Verkehrsverbundes (Biene in Bronze) oder der Stadt Suttgart. Hier mag dem einen oder anderen das Bling Bling fehlen, dafür überzeugen alle diese Seiten mit hervorragender Zugänglichkeit, was viel zu viele Hochglanz-Webseiten nicht für sich in Anspruch nehmen können. Und an dieser Stelle vertraue ich der Jury, denn ins Finale kommt man nicht allein durch das Abarbeiten von Barrierefreiheits-Checklisten sondern die Seiten müssen sich in zahlreichen Nutzertests beweisen - Design hin oder her.
Allen Kritikern sei daher angeraten: Kritik ist erlaubt, schnödes Meckern ist nur peinlich. Aber wenn Ihr es besser wisst dann geht bei Euren eigenen Projekten mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass es besser geht. Entwickelt charmante Lösungen, erstellt attraktive Webseiten, reicht diese zur Biene 2010 ein. Dann könnte der Anteil attraktiver Angebote weiter steigen und vielleicht hört dann auch endlich mal die BF-Szene damit auf, sich selbst der der Lächerlichkeit preiszugeben, indem permanent gegenüber Berufskollegen gemeckert und Preisträger seziert werden. Tomas Caspers hat es auf der diesjährigen Webtech-Konferenz auf den Punkt gebracht.
“Auch bei Beachtung der WCAG 2.0 und dem Einsatz moderner Webtechniken wie WAI-ARIA kann man dennoch an einzelnen Details scheitern. Doch passiert dies immernoch auf einem weitaus höheren Niveau als bei jenen, die sich aus Angst vor dem möglichen Scheitern gar nicht erst auf den Weg machen.”
Und genau so sehe ich das auch: Der Weg ist das Ziel.
Abschließend sei noch die Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf erwähnt, die ebenfalls mit einer Biene in Silber ausgezeichnet wurde. Dieses Projekt wurde innerhalb von 3 Jahren ausschließlich von engagierten Mitarbeitern der Bibliothek realisiert – ganz ohne eine professionelle Agentur. Eine solche Leistung verdient höchsten Respekt.
Gestern, am 24.9. hatte ich die Ehre, zusammen mit David Maciejewski auf dem “Best of Accessibility” Symposium über Möglichkeiten zur Optimierung der Ladezeiten von Webseiten zu sprechen. David war so freundlich und hat die Folien bereits bei Slideshares hochgeladen, sodass ich sie hier zur Verfügung stellen kann.
Zum Thema CSS-Sprites gibt es weiterhin eine kleine Demo von David, welche er soeben online bereit gestellt hat.
Weitere Vorträge im Netz:
Zu lesen gibts hier im Moment ja nicht allzuviel, deshalb will ich wenigstens kurz eine Statusmeldung geben, was für die nächsten 2..3 Monate so geplant ist.
Veranstaltungen & Vorträge
Heute Nachmittag geht mein Flieger nach Düsseldorf, wo morgen zum Dritten Mal das “Best of Accessibility” Symposium stattfinden wird. Veranstalter des Symposiums sind wie immer die Herren Ansgar Hein und Jörg Morsbach von Anatom5.
Zusammen mit David Maciejewski (Mr. Technikwürze) werde ich dort einen Vortrag zum Thema “Performance-Optimierung: Barrierefreiheit beginnt mit Ladezeiten” halten. Ich freue mich bereits riesig darauf, genauso wie darauf, endlich mal Chris Heilmann persönlich kennenzulernen und natürlich auch das eine oder andere bisher unbekannte Gesicht aus der Blog- und Twitterwelt. Die Folien unseres Vortrages wird es natürlich im Anschluss auch hier im Weblog bzw. bei Slideshares geben.
Im November gehts weiter mit gleich zwei Veranstaltungen. Am 12.11.2009 werde ich in Dresden beim “World Usability Day” einen Vortrag zu den Herausforderungen moderner Webentwicklung halten. Eine Woche später gehts nach Karlsruhe zur Webtech 2009. Dort wird es mich gleich zweimal geben. Zum einen werde ich einen Ausblick über die Zukunft von CSS-Frameworks im professionellen Alltag wagen, zum anderen werden Nocolai Schwarz und ich im “Webstandards Day” Track (dem inoffiziellen Webkrauts-Track) gemeinsam über “Best Practices in JavaScript und CSS” vortragen.
YAML & Friends
Auch bei YAML ist kein Stillstand. Zwar sind die Release-Zyklen etwas länger geworden, doch das sollte bei der Reife des Frameworks nicht weiter stören. Im Verlauf des letzten halben Jahres hat sich die Browserwelt deutlich verändert. Der Internet Explorer 8 ist ebenso in seiner finalen Fassung erschienen wie der Firefox 3.5, Safari 4 und kürzlich Opera 10. Auf die neuen Browsergenerationen gilt es zu reagieren und demzufolge wird es einige Anpassungen des Frameworks geben, die zum Teil bereits im YAML-Forum diskutiert wurden. Daneben gibts mit YAML 3.2 weitere Verbesserungen und Erweiterungen des Frameworks, unter anderem:
- Einen deutlich schlankeren Framework-Core
- Verbesserungen beim Formularbaukasten
- Eine neue und komfortablere Skiplink-Lösung
Natürlich ist das nicht alles, mehr Informationen wird es geben, sobald der Releasetermin für YAML 3.2 in Sichtweite rückt. Über den schlankeren Core habe ich ja bereits in einem früheren Blogbeitrag kurz ein paar Worte verloren. Daneben wurden auch die “Begleitprojekte”, der YAML Builder und YAML Debug im letzten halben Jahr still und leise weiter verfeinert. So steht seit einigen Wochen im YAML Builder die seit Veröffentlichung von Flash 10 von vielen Nutzern schmerzlich vermisste “Copy to Clipboard” Funktionalität wieder zur Verfügung und auch YAML Debug nähert sicht nach zahlreichen Bugfixes und kleinen Verbesserungen unter der Haube langsam der Version 1.0 und dem Verlassen des Beta-Status. Besonders freut mich, dass YAML Debug im Mozillas Open Web Tool Directory gelistet ist.
Soweit die Infos zu YAML, die Veröffentlichung der Version 3.2 ist für den Oktober anvisiert.
Geheimniskrämerei
Und abschließend folgt jetzt noch eine Grund für die Ruhe der vergangenen Monate hier im Blog, die vermutlich auch noch bis zum Ende des Jahres (mit gelegentlichen Wortmeldungen) anhalten wird. Ich arbeite seit ca. 4 Monaten intensiv an einen neuen Großprojekt (aktueller Stand: ca. 5500 Zeilen Code) welches – wenn es planmäßig weiter geht – im Spätherbst die ersten ausgesuchten Betatester empfangen wird. Mehr Infos gibt es momentan nicht.
So, das war’s für heute. An alle BOA-Besucher, wir sehen uns morgen.
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich bei Dr. Web und im Smashing Magazine einen längeren Essay über “Flexible Layouts als die Herausforderung der Zukunft” veröffentlicht.
Schon damals – lange bevor mit dem IE8 und dem Safari 4 die letzten beiden Browsergrößen auf den Seitenzoom-Zug aufsprungen – war ich der Meinung, dass die von Opera 9 und Firefox 3 eingeführte Technik nicht das Allheilmittel für die zahlreichen Limitierungen pixelbasierter Layouts, bzw. der Sargnagel für flexible Layouts sein wird und hatte dies in den beiden Artikeln mit der immer weiter aufklaffenden Schere von Bildschirmauflösungen und der verstärkten Nutzung von Smartphones und Netbooks begründet. Seinerzeit entbrannte eine heiße Diskussion, danach war aber eigentlich die Luft raus und kaum jemand widmete sich mehr diesem Thema.
Umso erstaunter war ich heute über drei aktuelle, englischsprachige Beiträge (Danke Angar, für den Hinweis), die sich erneut dem Thema widmen und weitere gute Argumente für elastische und fluide (oder allg. flexible) Layouts liefern.
- Page zoom does not mean the end of flexibility [456bereastreet.com]
- Why browser zoom shouldn’t kill flexible layouts [zomigi.com]
- Zoomfusion [Adactio]
Der Beitrag auf 456bereastreet.com bringt ein sehr interessantes Argument: die Mehrsprachigkeit. Allein aufgrund der Sprache, in der Inhalte ausgegeben werden, verändert sich die Textmenge, bzw. deren Platzbedarf. Flexible Layouts können sich hier deutlich besser anpassen als fixe Konstrukte. Der Beitrag von Zoe Mickley Gillenwater geht noch deutlich tiefer ins Detail und bringt sechs weitere, gut durchdachte Argumente pro elastischem bzw. flexiblen Layout. Besonders interessant dabei ist der Punkt “Preserve design proportions”. Genau dies wird aktuell sehr gern als Grund angeführt, warum elastische Layouts in Zeiten eines funktionierenden Seitenzooms praktisch keine Relevanz mehr hätten (noch dazu, da sie sehr aufwändig in der Erstellung seien). Das überzeugende Argument pro elastischem Layout ist wieder einmal der User mit seiner Möglichkeit, die Standardschriftgröße seines Browsers/Betriebssystems beliebig nach oben oder unten anzupassen. Ein fixes Layout - Seitenzoom hin oder her - kann sich derartigen Gegebenheiten nicht anpassen, die Laufweiten der Texte ändern sich zwangsläufig und die schönste Typografie kann den Bach runter gehen.
Ich möchte hier nicht alle Punkte wiederholen. Die Beiträge sind hervorragend geschrieben, also lest selbst. Der sehr schön formulierten Zusammenfassung von Zoe Mickley Gillenwater schließe ich mich hiermit aus ganzem Herzen an.
Again, I have to stress that zooming is a great function for browsers to include. Also, fixed-width layouts are not evil—they are ideal in certain situations. But liquid and elastic layouts have a lot of benefits that fixed-width layouts in combination with browser zoom can’t necessarily match. ... Don’t use browser zooming as a reason to stop—or never start—making flexible layouts.
“Why browser zoom shouldn’t kill flexible layouts”, Zoe Mickley Gillenwater
Neueste Kommentare
- Gerhard | 08.08.10 (19:12 Uhr)
Firefox 3 hinterlässt gemischte Gefühle…
- Dieter Welzel | 04.08.10 (20:19 Uhr)
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