Dienstag,
06. März 2012

Liebes T3N Magazin,

Die Überschrift Eures heutigen Beitrags “Contao: Open-Source-CMS mit HTML5” ist ein schlechter Witz. Der einzige Bezug des gesamten Beitrags zu Eurem Lieblings-Buzzword “HTML5” findet sich im ersten Satz:

Contao ist ein Open-Source-CMS, das auf PHP basiert und HTML5 unterstützt.

Das war’s. Bis zum Ende des Beitrags kommt der Autor kein zweites Mal auf HTML5 zu sprechen.

Bitte, was soll das? Gibt es bei Euch noch eine Redaktion, die sich der inhaltlichen Abstimmung der Beiträge verpflichtet fühlt, oder redigiert und veröffentlicht jetzt nur noch Euer Marketing die Beiträge?

Ich habe in der Vergangenheit zu verschiedenen Themen und auf verschiedenen Kanälen (Skype, Twitter, Kommentare, Blogposts) Feedback an Eure Redaktion weitergegeben. Doch die konstruktive Kritik scheint Euch nicht zu interessieren.

Das ist schade, denn scheinbar bemerkt ihr auch nicht, dass Ihr damit auch dem vorgestellten Projekt Contao keinen Gefallen tut. In Bezug auf HTML5 ist der Beitrag noch nicht einmal enttäuschend. Er geht völlig am Thema der Überschrift vorbei. Dabei gäbe es wirklich interessante Fragen. Jedes halbwegs gute CMS überlässt heute dem Anwender die Kontrolle über das Markup des Seitenlayouts. Aber spätestens bei den Inhalten wird es spannend, denn z.B. bei Formularen muss man sich bei fast jedem CMS mit irgendwelchen Generatoren oder Plugins auseinandersetzen. Diese haben nämlich meist eigene Vorstellungen hinsichtlich des verwendeten Markups und lassen dem Anwender selten Wahlmöglichkeiten, solange man nicht selbst willens und fachlich dazu in der Lage ist, teils tief in den Code einzugreifen. Ein Paradebeispiel dafür ist nach Hörensagen das Formularmodul von Drupal. Wie es hier bei Contao und dem Einsatz von HTML5 Formularelementen (und deren Validierung) momentan bestellt ist, wäre durchaus hochinteressant zu erfahren gewesen. Oder was hinsichtlich der dynamischen Verwendung von HTML5 Elementen hinsichtlich IE6/7/8 Support zu beachten ist? Bei jQuery ist dafür seit v1.7 innerShiv integriert. Contao arbeitet jedoch standardmäßig mit Mootools. Wie läuft das da?

Stattdessen folgt auf das Buzzword-Bingo (2x HTML5 innerhalb der ersten zwei Zeilen) nur eine, sagen wir durchschnittliche, Vorstellung des Content-Management-Systems. Da fragt man sich natürlich: Warum gerade jetzt? Denn auf das vor 2 Wochen erschienene Release 2.11 und dessen Neuerungen geht der Beitrag genauso wenig ein.

Ihr seid das Fachmagazin. Wie kann es sein, dass Ihr auf solche Fragen nicht kommt und Euch dieses Informationsniveau für Eure Leser ausreichend erscheint?

Kommen wir zu dem Punkt, warum ich mich überhaupt darüber aufrege: Weil ... ich mir mehr deutschsprachige Fachblogs und Online-Magazine zum Thema Frontendentwicklung wünsche, sich aber leider keine Alternativen aufdrängen. Gleichzeitig verstehe ich nicht, warum es den vielen anderen Frontendentwicklern da draußen so egal ist, wohin sich das T3N Magazin seit einiger Zeit entwickelt. Das Smashing Magazine ist vor 2..3 Jahren ähnlich in die Kritik geraten mit ihren endlosen “10 best anything” Toplisten-Artikeln und es hat viel Kritik von außen und sicher sehr viel mehr Kraft von innen bedurft, um das Ruder wieder herumzureißen.

Aber vielleicht erwarte ich ja auch einfach nur zuviel vom Online-Bereich des “führenden deutschsprachigen Printmediums zu den Themen Web 2.0, Social Media, E-Business und Open Source”.

Ich hoffe, in Eurer Redaktion ist noch jemand wach.


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