Sonntag,
10. März 2013

Seit kurzem kann man sich den aktuellen Entwicklungsstand von Bootstrap 3.0, dem kommenden Major-Release dieses umfangreichen Applikations-Frameworks ansehen. Die größten Neuerungen sind der Mobile-First Ansatz und das überarbeitete Design, welches sich nun stärker von seinen Wurzeln bei Twitter abnabelt.

Die neue Optik betrifft dabei in erster Linie die Formular- und Navigationselemente. Ich persönlich finde sie deutlich weniger elegant, wodurch Bootstrap insbesondere für das Prototyping etwas von seinem Reiz verliert. Denn selbst wenn man sich die Twitter-nahe Optik so langsam satt gesehen hat, so sind die UI Komponenten doch nahezu perfekt aufeinander abgestimmt gewesen und damit erstellte Layout-Prototypen vermittelten einen hochwertigen – jederzeit vorzeigbaren – Eindruck. Diese Qualität von Bootstrap scheint im aktuellen Entwicklungsstadium etwas verloren zu gehen, denn die Entwickler ziehen den neuen Stil nicht konsequent durch. Insbesondere die Formularelemente sehen nun kontrastärmer und irgendwie ... unfertig aus.

Nun ist es so, dass auch ich bei YAML 4 das mitgelieferte Design in neutralem grau halte, weil dies für den Bau von Prototypen eine sinnvolle Ausgangsbasis ist, will man doch den Anwender nicht in Richtung eines bestimmten Farbschema drängen. Steht dann erstmal der eigentliche Layoutentwurf, werden die einzelnen Komponenten im Detail gestaltet. Bootstrap (ehemals Twitter Bootstrap) will sich in Version 3 offenbar weiter von seinen Wurzeln lösen und seine Anwender mit der “unfertigeren” Optik stärkerer zur Individualisierung ... nennen wir’s mal animieren, denn überall wird auch die nun “platte” oder neu-deutsch “flat” Optik auch nicht passen.

Das ist im Sinne der Eigenständigkeit des Frameworks und weniger uniformen “made with Bootstrap” Projekten zu begrüßen. Wenn ich mich recht entsinne arbeiten die beiden Entwickler auch gar nicht mehr bei Twitter. Dennoch war natürlich die ausgereifte Optik der UI Elemente bisher eines der ganz großen Pluspunkte. Die mit Bootstrap erstellten Oberflächen konnte man bisher meist ohne weiteres produktiv einsetzen. Ob das auch mit Version 3 so sein wird, bleibt abzuwarten – noch ist die Version 3 ja nicht fertig (wie man an einigen Komponenten leicht erkennen kann). Ich habe aber so meine Zweifel, ob der neue ... Draft-Look ... gleichermaßen gut angenommen wird. Von einem echten Flat-UI Design mag ich in diesem Zusammenhang eher nicht sprechen, denn dazu sind mir die Umstellungen im Design nicht konsequent genug. Bisher wurden in erster Linie die sanften Gradienten im Hintergrund entfernt und die Standardfarbe der Buttons ist nicht mehr weiß sondern grau. Ein neuer eigenständiger Stil ist das aber noch nicht.

Doch genau das bringt mich zu einem Problem, welches mich seit jeher an Bootstrap stört und welches wohl auch in Version 3 Bestand haben wird. Die Entwickler verzichten auch weiterhin auf eine Trennung von Funktionalität und Design im CSS. Bei YAML gibt es diese Trennung – aus gutem Grund. Die Funktionalität der Layoutbausteine steckt bei YAML in den Core-Dateien des Frameworks, während das Design (Theme) separat verwaltet wird. Dieser Ansatz hat seine Vorteile: Zum einen sind Anpassungen des Layouts bereits durch einfaches Austauschen einzelner CSS-Dateien erledigt (oder Sass-Dateien, so man mit dem Sass-Port von YAML arbeitet). Zum anderen sind Anwender frei in ihrem Workflow – speziell im Hinblick auf den Einsatz von CSS-Preprozessoren. Es ist also möglich, die Core-Dateien von YAML unverändert zu übernehmen, das eigentliche Design aber z.B. mit LESS oder Sass zu erstellen.

Bei Bootstrap gibt es diese Trennung bisher nicht. Zwar ermöglicht das hauseigene Konfigurationstool die Auswahl der Komponenten, ein Austausch des Layouts bedeutet aber immer auch den Austausch der Frameworklogik, weil eben alles miteinander verwoben ist. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn man im Rahmen der eigenen Anpassungen vielleicht auch die eine oder andere Erweiterung hat einfließen lassen. Wer die Optik individualisieren will, ist so zwingend auf LESS angewiesen, unabhängig von den ggf. bestehenden Abhängigkeiten des eigenen Projektes.

Trotzdem ist es natürlich spannend zuzusehen, wohin die Entwicklung bei Bootstrap, Foundation & Co. geht. Schließlich macht man sich ja auch so seine Gedanken fürs eigene Framework.


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