Sonntag,
23. Juli 2006

Die Diskussionen um die Dresdner Waldschlösschenbrücke bewegt scheinbar derzeit ganz Deutschland. Als Dresdner (seit 1995) und Bauingenieur interessiert und bewegt mich diese Diskussion natürlich besonders.  Doch was ich heute auf der Webseite der Bürgerinitiative Waldschlösschenbrücke (Brückengegner) lesen musste, ist für mich eine absolute Entgleisung in dieser Diskussion:

Die UNESCO hat das Dresdner Elbtal auf die Liste der gefährdeten Welterbestätten gesetzt (Rote Liste). Grund ist die Waldschlösschenbrücke. Sollte die Stadt mit dem Bau beginnen, so wird der Titel aberkannt.


...


Deutschland darf es sich nicht erlauben, ein Welterbe dermaßen zu schädigen. Unser Land darf nicht auf einer Stufe mit der Taliban stehen, die 2001 in Afghanistan Welterbestätten zerstörte!

Bei allem Respekt für sachliche Argumente - die Betreiber disqualifizieren sich damit von jeder ernsthaften Diskussion. Es ist umsomehr beschämend für Dresden, als dass diese Seite bei Google Platz 1 der Trefferliste für den Begriff “Waldschlösschenbrücke” ausweist. Von Akzeptanz der Bürgerentscheids - der von den Gegnern ausging - auch nach einem Jahr keine Spur. Stattdessen entgleist die Wortwahl gleich in den ersten Sätzen der Startseite auf’s Übelste.

Zur Übersicht: Im Februar 2005 votierten die Dresdner   in einem Bürgerentscheid zu 67 Prozent für den Bau der Brücke. Dass mit dem Bau bis heute dennoch nicht begonnen wurde, hängt mit drohenden Aberkennung des vor wenigen Jahren frisch verliehenen Welterbetitels durch die UNESCO und der zögerlichen Umsetzung des Bürgerentscheids durch den Dresdner Stadtrat zusammen. Welche rechtliche Relevanz dieser Titel für die Entscheidung der Stadt über den Bau der Brücke hat, kann ich nicht sagen - vermutlich keinen. Der Bürgerentscheid hingegen ist für den Stadtrat bindet - es wird daher im Moment geprüft, inwieweit der erneute Aufschub der Auftagsvergabe bereits rechtliche Probleme für die Stadt heraufbeschwört.

Von der UNESCO wurde Dresden zunächst auf die rote Liste der gefährteten Stätten gesetzt. Grundlage für diese Entscheidung ist das Gutachten zu den visuellen Auswirkungen des “Verkehrszuges Waldschlösschenbücke” auf das UNESCO-Weltkulturerbe, Elbtal Dresden” (PDF). Mittlerweile gibt es zu diesem Gutachten eine interessante Stellungnahme (PDF) durch sieben Professoren der TU Dresden und den Amtsleiter der Dresdner Bauaufsicht. Und es ist nachvollziehbar, welche Schwächen das Gutachten offensichtlich aufweist.


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