Sonntag,
02. April 2006

Schon vor knapp 2 Wochen, am 20. März, veröffentlichte Microsoft einen neuen Build des kommenden Internet Explorers 7. Die erste öffentliche Runde drehte der IE7 Anfang Februar und meine damalige Begeisterung über das neue Kind in Microsofts Browserfamilie war schnell Tränen gewichen. Doch egal - ein neuer Build, ein neuer Test.

Zunächst eine Bestandsaufnahme bezüglich YAML. Was hat sich geändert? Das Layout des YAML-Frameworks wird auf den ersten Blick im IE7 jetzt fehlerfrei dargestellt. Der verlängerte untere Leerraum, den ich in der Februar-Version feststellen konnte, ist wieder verschwunden. Auch die Layoutmodifikationen laufen fehlerfrei. Erfreulich ist auch, dass die automatische Auszeichnung externer Links jetzt funktioniert. Aber halt, da war doch noch was!

  • Hovereffekte: Hovereffekte funktionieren wieder und - und jetzt geht der Ärger los - der Guillotine-Bug ist nach wie vor mit an Bord. Auf der YAML-Startseite lässt sich das recht gut testen. Beim Überfahren eines Textlinks mit der Maus verschwindet der Inhalt der Teaserbox.
  • Rendering-Bug: Der recht komplexe Rendering-Bug aus dem YAML-Tutorial ist nach wie vor nicht beseitigt.
  • Pseudoklassen: Im Februar-Test hatte ich bereits auf die fehlende Unterstützung von CSS-Pseudoklassen wie :after oder :before hingewiesen. Auch in dieser Hinsicht kann ich keine Änderungen sehen. Die Unterstützung dieser wichtigen Elemente fehlt weiterhin. Damit ist auch klar, dass wir auch beim IE7 auf Browserhacks angewiesen sind, um markupfreies Clearen zu ermöglichen.
  • min-/max-width: Einer der wenigen Lichtblicke ist, dass die Unterstützung für min-width und max-width mittlerweile implementiert wurde. Allerdings macht die Verwendung von max-width mit dem IE absolut keinen Sinn denn der IE skaliert das vollständige Layout ohne Rücksicht auf Verluste. Beim Zoom entstehen auf diese Weise sehr schnell horizontale Scrollbalken.
  • Extremer Textzoom: Der IE7 besitzt nicht nur ein Zoom-Funktion sondern ermöglicht auch die gesonderte Wahl der Schriftgröße. Wer sich auskennt, ahnt auch hier was kommt. Genau. Der alte oder eine vergleichbare Art des Extremen Textzooms Bugs findet sich auch im IE7. Der in YAML enthaltene Bugfix scheint hingegen nicht mehr zu funktionieren. Bereits beim Wechsel vom Standardwert “Medium” auf “Larger” werden die Schriften übermäßig groß und Inhalte damit nur noch schwer lesbar. Einen Ausweg sehe ich hier nur in der Vermeidung von * {margin: 0; padding: 0;}, was den Bug ja bekanntlich auslöst. Korrektur: * {margin: 0; padding: 0;} löst den Bug natürlich nicht aus sondern * {font-size: 1em;}. Das Problem lässt sich durch * {font-size: 100%;} relativ leicht aus der Welt schaffen. Dennoch ist es ärgerlich, dass der Bug immernoch da ist.
  • Drucklayout: Durch die fehlende Unterstützung der Pseudoklassen hinkt auch die Qualität der IE-Ausdrucke von Webseiten weiterhin dem allgemeinen Standard hinterher. Hyperlinks, Abkürzen oder Akronyme, welche YAML automatisch im Drucklayout hinter dem jeweiligen Element vollständig auszeichnet - wird man auch im neuen Internet Explorer nicht zu Gesicht bekommen. Opera, Safari und Firefox bieten hier seit langem eine sehr gute und einheitlich Unterstützung.

Soweit mein Blick auf das YAML-Framework mit dem Internet Explorer 7 in der Fassung vom März 2006. Konnte man im Februar noch halbwegs gelassen auf solche Dinge reagieren - schließlich war es ja nur ein Beta Preview - so wird es jetzt langsam ernst und bedenklich denn laut Meldung im IEBlog bezeichnet Microsoft den IE7 in diesem Stadium bereits als “feature complete”! Das bedeutet, es werden keine neuen Funktionen zur Rendering-Engine mehr hinzukommen und so wie ich vermute, werden die jetzt noch aktiven Bugs wohl auch beim offiziellen Release wieder fröhlich in die Runde der Webdesigner winken.

Mein Artikel klingt nicht grundlos so pessimistisch. Mir zumindest fällt es schwer, mich über ein paar weniger Browserbugs (Es sind wirklich einige verschwunden.) zu freuen.  Nach einer so langen Entwicklungspause und der umfassenden Dokumentation der bekannten IE-Bugs im Internet war meine Erwartungshaltung eine andere. Bugs wie der Guillotine-Bug sind absolut nervig und in ihren Auswirkungen nur sehr schwer berechenbar. Auch die CSS2-Unterstützung ist nicht auf dem Stand, auf dem man dies von einem Browser mit Releasedatum Mitte 2006 erwarten kann. Dass hier seitens Microsoft bereits von “feature complete” gesprochen wird, macht die Hoffnung auf weitere Verbesserungen und Bugfixes zu nichte.

Bleibt mir nur noch der Blick über den Tellerrand. Das ALA-Layout “In Search of the Holy Grail” hat nach wie vor massive Probleme und funktioniert nicht einmal ansatzweise. Auf gleich lange Spalten werden wir wohl endgültig bis CSS3 warten müssen.

Einen positiven Apsekt hat die Microsoft Meldung allerdings. Die Gemeinde der Webdesigner kann sich aufmachen, den verbliebenen - und ggf. neu entdeckten Bugs - den Kampf anzusagen und neue Hacks zu entwickeln.


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